Wer verspricht wie lange Firmware? UniFi, MikroTik, LANCOM und AVM im Vergleich

Nur einer dieser vier Hersteller nennt für dein konkretes Modell ein Datum, an dem die Firmware-Pflege endet. Das ist LANCOM — seit dem 1. Juli 2026 firmiert das Haus als Rohde & Schwarz Networks and Cybersecurity. MikroTik nennt eine Mindestdauer, aber kein Datum. Ubiquiti und AVM nennen beides nicht. Wer nach einer „UniFi EOL list“ mit Terminen sucht: Die gibt es nicht, und das ist kein Versehen.

Was eine Zusage von einer Statusanzeige unterscheidet

Eine Zusage, mit der du planen kannst, hat drei Eigenschaften. Sie nennt eine Dauer oder ein Datum. Sie gilt für ein Modell, nicht für eine Produktfamilie. Und du kannst sie vor dem Kauf lesen, nicht erst nach dem ersten Ticket. Eine Statusseite, die heute „wird unterstützt“ anhakt, erfüllt die ersten beiden nicht: Sie sagt dir, wo du stehst, nie, wie lange du dort stehen wirst.

HerstellerZugesagte DauerJe Modell datiert
LANCOM / R&S NCSecurity-Updates bis EOS + 2 kostenfrei, EOL bei EOS + 5ja
MikroTikmindestens 5 Jahre ab Kaufdatumnein
Ubiquitikeine genanntnein
AVM / FRITZ!keine genanntnein

LANCOM: Termine, mit einem Haken nach zwei Jahren

Ein Gerät erhält den Status End of Sale, sobald es von der Preisliste verschwindet. Ab da sagt die Lifecycle-Richtlinie mindestens zwei weitere Jahre Release-Updates und Security-Updates ohne Zusatzkosten zu. End of Life folgt fünf Jahre nach dem End of Sale; danach gibt es gar keine Updates mehr. Die Produkttabellen führen je Modell drei Datumsspalten: EOS-Datum, Ende der Major-Releases, EOL-Datum — beim Access Point IAP-822 zum Beispiel Juli 2026, Juli 2028 und Juli 2031. So sieht eine planbare Zusage aus.

Die aktuelle Richtlinien-Tabelle liest man aber besser genau. Ab zwei Jahren nach EOS gibt es Security-Updates nur noch mit einem R&S-NC-Support- oder Replacement-Produkt — oder im Rahmen der Gewährleistung, die ab Werk mindestens drei Jahre beträgt, bei Managed Switches fünf. Der kostenlose Teil der Zusage endet also bei EOS + 2 Jahren, die Strecke bis EOL ist eine Kaufentscheidung.

Ubiquiti: zwei Wörter statt zwei Daten

Ubiquiti veröffentlicht eine Seite mit Vintage- und Legacy-Produkten. „Vintage“ heißt: keine Weiterentwicklung mehr, aber weiterhin kritische Bugfixes und Sicherheitsupdates. „Legacy“ heißt: keine Updates mehr. Beides sind Zustände, keine Fahrpläne — keine Dauer, keine Vorlaufzeit, kein Datum, an dem ein Gerät vom einen in den anderen wechselt. Ein Modell kann an dem Tag auf dieser Liste stehen, an dem du sie aufrufst.

Das ist keine Randnotiz von Nörglern. Vier eigenständige Fäden im hauseigenen Ubiquiti-Forum bitten um genau diese Zusage — um Roadmap und Produktlebenszyklus, um eine veröffentlichte EOP/EOS/LTS/EOL-Richtlinie, um eine förmliche Lifecycle-Policy für alle regulär ausgelieferten Geräte und um eine Liste der Support-Zeiträume. Keiner davon ist mit einer Zusage beantwortet. Die klarste Antwort dort stammt von einem anderen Kunden: Diese Liste sei alles, was es gibt, Ubiquiti veröffentliche keine Roadmaps.

Warum das mehr ist als Beschaffungs-Papierkram: Im Bestand von patchletter stehen am 19.08.2026 drei Einträge zu UniFi OS im CISA-Katalog nachweislich ausgenutzter Schwachstellen — alle drei mit CVSS 10, alle drei am 23.06.2026 aufgenommen, mit einer Behebungsfrist zum 26.06.2026, die CISA US-Bundesbehörden setzt. Drei Tage. Zu den sechs weiteren Produkten, die dieser Artikel heranzieht — UniFi Network, UniFi Protect, RouterOS, LCOS sowie die FRITZ!Box 7530 und 7510 —, steht dort nichts. Wenn die Uhr so schnell läuft, ist „wir liefern, wenn wir es für nötig halten“ keine Grundlage, mit der du planen kannst.

MikroTik: die Zusage steht in der Fußnote der Produktseite

Die MikroTik-Produktseiten für Router und Switches enden alle mit demselben Satz — auf der Seite zum hAP ax³ wie auf denen zum CCR2004 oder zum hEX: Das Gerät enthalte kostenlose Software-Updates für die Lebensdauer des Produkts oder mindestens fünf Jahre ab Kaufdatum. Das ist eine echte Dauer und mehr, als Ubiquiti oder AVM anbieten. Sie hängt nur an dem einen Datum, das der Hersteller nicht kennt: an deinem. Zwei baugleiche Router, drei Jahre auseinander gekauft, haben unterschiedliche Endtermine — und keiner davon steht irgendwo.

Der Aufbau hilft und schadet zugleich. RouterOS wird je CPU-Architektur paketiert, nicht je Gerät; ein älteres Gerät bekommt deshalb dieselbe aktuelle Version wie ein neues, solange seine Architektur weiter gebaut wird. Fixes landen aber am Kopf einer Release-Kette — long term, stable, testing, development — und nicht in dem Zweig, den du vor zwei Jahren eingefroren hast. endoflife.date formuliert es nüchtern: Die Release- und Support-Politik von RouterOS sei nicht klar definiert.

AVM: Status ja, Termin nein

Die Übersicht zum Status der Produktunterstützung führt je Modell fünf Spalten: Modell, Wissensdatenbank, persönlicher Support, aktuelle Version und FRITZ!-Herstellergarantie — und kein einziges Datum. AVM sagt dort zu, alle FRITZ!-Produkte mit kostenlosen Updates zu versorgen, nennt aber keinen Zeitpunkt, an dem das endet. Du erfährst also, ob dein Modell heute noch gepflegt wird, nicht, wie lange noch.

Die Herstellergarantie schließt die Lücke nicht. Ihre Dauer steht laut AVM im Handbuch oder in der Kurzanleitung des jeweiligen Geräts, und die Garantiebedingungen regeln Mängel und Reparatur — von Firmware ist dort keine Rede. Versionsnummern helfen auch nicht weiter: Am 07.08.2026 datierte AVM FRITZ!OS 08.25 für die FRITZ!Box 7530 und 08.26 für die 7510. Gleicher Hersteller, gleicher Tag, getrennte Zweige — „mein FRITZ!OS ist aktuell“ beantwortet eine andere Frage als „wird mein Modell noch gepflegt“.

Ab Dezember 2027 ist das keine Kulanz mehr

Der EU Cyber Resilience Act (Verordnung (EU) 2024/2847) verpflichtet Hersteller, einen Unterstützungszeitraum festzulegen, in dem Schwachstellen behandelt werden, und dessen Enddatum mit Monat und Jahr beim Kauf klar anzugeben. Artikel 13 Absatz 8 setzt die Untergrenze bei fünf Jahren; Erwägungsgrund 60 hält fest, dass Netzwerkgeräte wie Router und Switches typischerweise länger im Einsatz sind und entsprechend längere Zeiträume bekommen sollten. Die Hauptpflichten gelten ab dem 11. Dezember 2027 für Produkte, die ab diesem Datum in Verkehr gebracht werden. Geräte, die vorher in Verkehr gebracht wurden, fallen nur darunter, wenn sie danach wesentlich verändert werden — genau deshalb lohnt die Frage jetzt.

Was du vor der Bestellung fragst

  • Das Enddatum des Unterstützungszeitraums für genau diese Artikelnummer, als Monat und Jahr — nicht die Produktfamilie, nicht „derzeit unterstützt“.
  • Ob Sicherheitsupdates bis zu diesem Datum kostenfrei sind oder einen Supportvertrag voraussetzen.
  • Wie eine Änderung dieses Datums bekannt gegeben wird und mit welchem Vorlauf.
  • Ob die Management-Software das Gerät nach diesem Datum weiter aufnimmt oder es nur noch anzeigt.

Für eine Ausschreibung trägt ein Satz alle vier Punkte: „Der Anbieter nennt für jedes angebotene Gerät das Enddatum des Unterstützungszeitraums mit Monat und Jahr, gibt an, ob Sicherheitsupdates bis zu diesem Datum ohne zusätzliches Entgelt bereitgestellt werden, und teilt jede Änderung dieses Datums während der Vertragslaufzeit mit.“ Ab Dezember 2027 ist das für neue Produkte ohnehin Pflicht. Bis dahin ist es die Frage, die Anbieter mit einer Antwort von Anbietern mit einer Statusseite trennt.

Wo nichts zugesagt ist, ist der Release-Takt das Signal

Bei drei dieser vier Hersteller kannst du nicht nachschlagen, wann die Pflege endet. Beobachten kannst du, ob sie noch stattfindet — und wie sich das Tempo ändert. Ein Modell, das alle paar Wochen Firmware bekam und seit acht Monaten schweigt, hat dir etwas gesagt, auch wenn es niemand aufgeschrieben hat.

Am 19.08.2026 hatte jeder der vier Hersteller innerhalb der letzten vier Wochen etwas veröffentlicht. Die zuletzt von patchletter erfassten Stände waren UniFi OS 5.1.26 (29.07.2026), UniFi Protect 7.2.105 (14.08.2026), MikroTik RouterOS 7.24 (18.08.2026), LANCOM LCOS 10.94.0327 (26.07.2026) und FRITZ!OS 08.25 für die FRITZ!Box 7530 (07.08.2026). Nichts davon ist beunruhigend. Der Punkt ist, dass dies das Einzige ist, was du wirklich messen kannst — und es taugt nur etwas, wenn du weiter misst.

Das über vier Hersteller hinweg von Hand zu verfolgen, ist der Teil, den niemand durchhält. patchletter führt jedes dieser Produkte auf einer eigenen Seite — UniFi OS, MikroTik RouterOS, LANCOM LCOS und FRITZ!Box 7530 — mit dem Verlauf der bisherigen Stände und einer Mail, sobald eine neue Firmware erscheint. Wann zuletzt etwas kam, steht damit auf der Seite und nicht in deinem Gedächtnis. Nachweislich ausgenutzte Lücken in verfolgten Produkten stehen auf der CVE-Seite. Kostenlos, ohne Konto, gehostet in Deutschland.

Die ehrliche Einschränkung

Ein Release-Takt ist ein Indiz, kein Beweis. Ein ruhiges Quartal kann heißen, dass es nichts zu beheben gab; eine Serie von Releases kann ein schlechtes Quartal anzeigen, kein gesundes. Und patchletter führt zu keinem der hier besprochenen Produkte Support-Zyklen, weil diese Hersteller keine in maschinenlesbarer Form veröffentlichen — die LANCOM-Termine in diesem Artikel stammen aus den Tabellen des Herstellers und sind von Hand gelesen. Wo ein Hersteller ein Datum nennt, nimm das Datum. Wo keines existiert, ist die Release-Historie das zweitbeste verfügbare Signal — und immer noch besser als eine Annahme.

patchletter-Zahlen aus dem eigenen Bestand, Stand: 19.08.2026 — zuletzt erfasste Versionen mit dem Datum des Herstellers sowie drei CISA-KEV-Einträge zu UniFi OS (alle CVSS 10, Aufnahme 23.06.2026, Frist 26.06.2026). Zu diesen Produkten liegen keine Support-Zyklen vor. Alle Herstellerangaben am 19.08.2026 von den oben verlinkten Seiten abgerufen; LANCOM Systems firmiert seit dem 01.07.2026 als Rohde & Schwarz Networks and Cybersecurity. Hersteller-Richtlinien ändern sich ohne Ankündigung — jedes Datum hier ist der Stand dieses Tages.