Proxmox Backup Server statt Veeam? Was der Wechsel beim Lebenszyklus bedeutet
Veeam Backup & Replication 12 erschien am 30.01.2023 und hat Support bis zum 01.02.2027. Proxmox Backup Server 3 erschien fünf Monate später und läuft am 31.08.2026 aus. Fünf Monate Abstand am Anfang, fünf Monate Abstand am Ende — nur andersherum: 38 Monate Laufzeit gegen 48, zehn Monate Unterschied. Diese Differenz steht in keinem Vergleich, weil sie weder eine Funktion noch ein Preis ist.
Zuerst das, was schwerer wiegt als jeder Termin
Ein Sicherungsprodukt beurteilt man an der Wiederherstellung, nicht am Kalender. Vor der Lebenszyklus-Frage stehen zwei andere, und sie können die Diskussion allein beenden. Kannst du wiederherstellen, und hast du es probiert? Nicht „der Auftrag meldet grün“, sondern eine echte Wiederherstellung einer echten Maschine in ein echtes Netz, mit gestoppter Zeit, durchgeführt von jemandem, der die Umgebung nicht gebaut hat.
Und woher kommt die Anwendungskonsistenz? Der Schnappschuss-Modus von Proxmox VE hält das Dateisystem über den Gast-Agenten still: Ist der Agent aktiviert und läuft er, ruft Proxmox guest-fsfreeze-freeze und guest-fsfreeze-thaw auf, „um die Konsistenz zu verbessern“, wie es das Sicherungs-Kapitel der Proxmox-VE-Dokumentation formuliert. Das ist Dateisystem-Konsistenz. Ob deine Datenbank oder dein Mailspeicher in einem Zustand zurückkommt, den sie selbst für sauber halten, entscheidet sich im Gast — über ein Skript vor und nach der Sicherung, einen Agenten im Gast oder einen Dump. Und der Sicherungs-Client von Proxmox ist ein Linux-Programm: Die Dokumentation beschreibt ihn als statisch gelinkt und schreibt, er „sollte auf jedem modernen x86-64-Linux-System laufen“. Für einen physischen Windows-Server ist er keine Antwort. Hat eine der beiden Fragen keine gute Antwort, handelt der Rest dieses Artikels von einer Entscheidung, die noch nicht ansteht.
Zwei Lebenszyklen nebeneinander
Proxmox hängt seine Termine an Debian. Die FAQ zum Proxmox Backup Server führt jede Hauptversion mit ihrer Debian-Grundlage — Version 3 auf Debian 12, Version 4 auf Debian 13 — und stellt das eigene Support-Ende direkt neben das von Debian. Veeam veröffentlicht in seiner Lebenszyklus-Tabelle stattdessen zwei Phasen: Nach „End of Fix“ entstehen für eine Version keine Updates, Patches oder Hotfixes mehr, sie bleibt aber unterstützt und bekommt weiter Sicherheitsaktualisierungen; erst mit „End of Support and Security Fix“ hört beides auf.
| Zyklus | erschienen | Support endet | Laufzeit |
|---|---|---|---|
| PBS 2 | 13.07.2021 | 31.07.2024 | 37 Monate |
| PBS 3 | 28.06.2023 | 31.08.2026 | 38 Monate |
| PBS 4 | 06.08.2025 | kein Datum veröffentlicht | — |
| Veeam 11 | 11.02.2021 | 01.02.2024 | 36 Monate |
| Veeam 12 | 30.01.2023 | 01.02.2027 | 48 Monate |
| Veeam 13 | 03.09.2025 | 01.11.2028 | 38 Monate |
Wer die Laufzeit-Spalte ehrlich liest, verliert die Erzählung in beide Richtungen. Proxmox rennt keinem hektischen Takt hinterher — gut drei Jahre pro Hauptversion sind genau das, was Veeam mit Version 11 geschafft hat und mit Version 13 wieder ansetzt. Veeam 12 ist die Ausnahme, nicht die Regel, und selbst diese 48 Monate sind weniger, als sie aussehen: Nach Veeams eigener Tabelle ist Version 12 seit November 2025 in der Phase „End of Fix“, die letzten fünfzehn Monate dieses Fensters sind also reine Sicherheitspflege. Der eine Vergleich, der hält, steht oben auf dieser Seite — und es ist genau der, den du erlebt hast, wenn du 2023 gewechselt bist: dasselbe Jahr, zehn Monate weniger Laufzeit.
Der Unterschied ist nicht die Länge, sondern die Tiefe
Ein Veeam-Hauptversionswechsel ist ein Anwendungs-Upgrade auf einem Server, dessen Betriebssystem du nicht anfasst. Ein Hauptversionswechsel beim Proxmox Backup Server ist ein Debian-Distributions-Upgrade genau der Maschine, auf der deine Sicherungen liegen. Die offizielle Upgrade-Anleitung von 3 auf 4 beschreibt das ohne Beschönigung: erst auf mindestens 3.4.2-1 kommen, das Prüfwerkzeug pbs3to4 laufen lassen, die Paketquellen von bookworm auf trixie umschreiben, dann apt dist-upgrade und Neustart in einen neuen Kernel. Sie warnt, dass sich Namen von Netzwerkschnittstellen ändern können, empfiehlt einen Konsolenzugang außerhalb des Netzes wie IPMI und rät, über SSH in tmux oder screen zu arbeiten statt in der Weboberfläche — weil die Weboberfläche von dem Dienst kommt, den du gerade aktualisierst.
Die FAQ ergänzt den Satz, der dein Wartungsfenster bestimmen sollte: Ein Hauptversions-Upgrade „muss sorgfältig geplant und getestet werden und sollte niemals ohne eine Kopie der wichtigen Sicherungen an einem zweiten Ort begonnen werden“. Also eine Sicherung des Sicherungsservers, bevor du den Sicherungsserver anfasst.
Dazu ballen sich die Termine. Die FAQ zu Proxmox VE nennt für Proxmox VE 8 ebenfalls 2026-08 als Support-Ende. Wer die übliche Kombination betreibt, hat zwei Debian-Hauptversionswechsel auf zwei Klassen von Maschinen im selben Monat — einen auf den Hypervisoren und einen auf dem Gerät, von dem du zurückspielen würdest, falls der erste schiefgeht. Das ist kein engerer Release-Takt. Das ist ein Reihenfolgenproblem.
Und kostenlos ist keine Eigenschaft von genau einem der beiden
Der übliche Anlass, sich Proxmox Backup Server anzusehen, sind die Lizenzkosten. Unterhalb einer gewissen Größe trägt dieses Argument in beide Richtungen weniger weit als gedacht. Veeam veröffentlicht eine Community Edition, die bis zu zehn Arbeitslasten kostenlos abdeckt und seit der Proxmox-VE-Anbindung auch Proxmox VE sichert — auf der Seite steht Proxmox VE an erster Stelle der geschützten Plattformen. Was sie nicht enthält, ist technischer Support: Die Überschrift über dem kostenpflichtigen Angebot auf derselben Seite lautet „Need Technical Support or Want To Protect More Than 10 Workloads?“. Unter zehn Arbeitslasten ist „kostenlos“ damit nicht das Entscheidungsargument, als das es meist auftritt.
Umgekehrt ist Proxmox Backup Server freie Software, aber die eigene Dokumentation trennt die Paketquellen sauber: Die Enterprise-Quelle ist „die stabile, empfohlene Paketquelle“ und setzt ein Abonnement voraus, während die No-Subscription-Quelle „für Tests und den Einsatz außerhalb der Produktion“ gedacht und auf Produktivservern ausdrücklich „nicht empfohlen“ ist, „weil diese Pakete nicht immer gründlich getestet und geprüft sind“. Sie ohne Abonnement zu betreiben ist völlig legitim und weit verbreitet. Es heißt nur, dass du dich gegen die Produktionsempfehlung des Herstellers entschieden hast — und diese Entscheidung gehört in dasselbe Dokument wie die Ersparnis.
Was stattdessen in den Kalender gehört
Das Enddatum selbst braucht keine Software: Es steht in der Tabelle oben, laufend nachgezogen auf den Produktseiten zu Proxmox Backup Server und Veeam Backup & Replication sowie in der End-of-Life-Übersicht neben allem anderen, was ausläuft.
Was in den meisten Kalendern fehlt, ist nicht die Frist, sondern der Auslöser. Bei Proxmox beginnt die Restlaufzeit eines Zyklus, sobald der nächste erscheint: PBS 4 kam am 06.08.2025 heraus, für PBS 3 blieben von diesem Tag an knapp dreizehn Monate. Das Erscheinen ist das Ereignis, über das man sich benachrichtigen lassen kann — patchletter mailt dir, wenn ein verfolgtes Produkt eine neue Version veröffentlicht. An dem Tag, an dem die nächste Hauptversion landet, weißt du, dass die Uhr für deine läuft, statt es später an einer still gewordenen Paketquelle zu merken. Kostenlos, ohne Konto, Abmeldung mit einem Klick.
Die ehrliche Einschränkung
Für Version 4 hat Proxmox kein Support-Ende veröffentlicht; die FAQ sagt dort TBA. Die Erwartung von rund drei Jahren stammt aus dem Debian-13-Zyklus, nicht aus einer Zusage — und eine Tabelle, die „kein Datum veröffentlicht“ zeigt, sagt die Wahrheit, statt eine Lücke zu füllen.
Die Tabelle oben mischt außerdem Genauigkeiten. Beide Hersteller veröffentlichen Monate, keine Tage; die Tagesdaten stammen aus dem eigenen Bestand, der endoflife.date spiegelt. Veeams eigene Tabelle setzt Version 12 auf Februar 2023 statt auf den 30.01.2023 und Version 13 auf November 2025 statt auf den 03.09.2025, und Proxmox schreibt 2026-08, wo der Bestand den 31.08.2026 führt. Das verschiebt eine Laufzeit um einen Monat oder zwei, nicht den Vergleich. Wo eine Folge am Datum hängt — Audit, Vertrag, Änderungsfreigabe —, gilt die Herstellertabelle.
Nichts davon sagt etwas darüber, welches Produkt besser zurückspielt, und ein Support-Datum ist das billigste Kriterium auf der Liste. Es ist genau so viel wert: Es sagt dir, ab wann eine Entscheidung nicht mehr freiwillig ist. Den Stichtag selbst kündigt auch niemand an — patchletter meldet neue Releases, keine Support-Enden, und am 31.08.2026 geht kein Wecker. Im CISA-Katalog nachweislich ausgenutzter Schwachstellen stand am 19.08.2026 zu keinem der beiden Produkte ein Eintrag — was hier drückt, ist ein Kalender, kein Angriff.
Zyklus-Daten aus dem eigenen Bestand, Stand: 19.08.2026, abgeglichen mit den Lebenszyklus-Tabellen der Hersteller; Laufzeiten auf den nächstliegenden vollen Monat gerundet. Angaben zu Lebenszyklus, Paketquellen und Upgrade aus der FAQ und der Installationsdokumentation zum Proxmox Backup Server, der Proxmox-Anleitung für das Upgrade von 3 auf 4, der FAQ zu Proxmox VE und dessen Sicherungs-Kapitel, der Lebenszyklus-Tabelle von Veeam und der Seite zur Veeam Community Edition — alle abgerufen am 19.08.2026. Herstellertermine ändern sich; prüfe sie an der Quelle nach, bevor du darauf planst.