winget, Chocolatey oder Scoop — und die Lücke, die alle drei offenlassen

Die kurze Antwort: winget, wenn du Windows-Arbeitsplätze ohne zusätzliche Software versorgen willst. Chocolatey, wenn du Skripte, eigene Pakete und ein internes Repository brauchst. Scoop, wenn Entwickler Werkzeuge ohne Administratorrechte nachladen sollen. Die längere Antwort ist unbequemer: In einem durchschnittlichen Bestand fasst keines der drei mehr als eine Handvoll Zeilen an — ausgerechnet die, die sich ohnehin selbst aktualisieren.

„winget upgrade --all“, ehrlich gelesen

winget liegt schon da: Microsoft dokumentiert es als Teil des App Installer auf Windows 10 ab Version 1809 (Build 17763), Windows 11 und Windows Server 2025. Server 2019 und 2022 stehen nicht in dieser Aufzählung — wer damit Server pflegen will, prüft das vor dem Rollout. Zwei Ausnahmen von winget upgrade --all treffen vor allem die Software, die du nicht selbst über winget installiert hast:

  • Anwendungen, die keine Version melden, gelten als immer aktuell und werden übergangen; laut Dokumentation ist ein Upgrade erst mit --include-unknown möglich.
  • Mit winget angeheftete Pakete bleiben außen vor; --include-pinned holt nur die mit nicht blockierender Anheftung zurück.

Der Befehl, den du eigentlich meinst, heißt also winget upgrade --all --include-unknown — und installiert dann auch Anwendungen neu, die längst aktuell sind, weil winget es nicht wissen kann. Er kennt weder Wartungsfenster noch Ringe noch eine Rückmeldung, welcher Rechner was bekommen hat — eine Schleife, kein Patch-Prozess.

Was Chocolatey anders macht

choco upgrade all leistet dasselbe, mit einem echten Vorteil: Es gibt Ausnahmen. Pakete lassen sich mit choco pin festhalten oder per --except beim Aufruf ausschließen — die Dokumentation schreibt das aus. Der ehrlichere Teil steht in Chocolateys eigener Erklärung zum öffentlichen Paket-Repository: „Organizational use of the community repository is not recommended.“

Begründet wird das mit Verteilungsrechten und mit fehlender Kontrolle: Die meisten Windows-Pakete dürfen die Binärdatei aus Lizenzgründen nicht mitliefern; sie laden sie beim Installieren beim Hersteller herunter, und dieser Schritt liegt außerhalb der Kontrolle des Pakets. Davon getrennt steht eine Nutzungsgrenze: Mehr als etwa hundert Installationen pro Stunde im Schnitt gelten dort als Missbrauch und können eine zeitweilige Sperre nach sich ziehen; der dokumentierte Ausweg ist ein internes Repository. Eine dritte Grenze geht in den meisten Vergleichen unter: Der Abgleich mit „Programme und Features“ — also das Erkennen von Anwendungen, die nicht über Chocolatey installiert wurden — ist eine Pro/Business-Funktion, die zentrale Rückmeldung über Chocolatey Central Management ebenso. Die kostenlose Fassung kennt nur, was sie selbst installiert hat.

Scoop hat seit 372 Tagen kein Release

Die aktuellste bei uns erfasste Scoop-Version ist 0.5.3 vom 12.08.2025 — am 19.08.2026 sind das 372 Tage. Zum Vergleich, aus demselben Bestand: winget 1.29.280 vom 24.06.2026, Chocolatey 2.7.3 vom 10.06.2026. Ein Blick in das Projekt selbst schärft das Bild:

  • Der master-Zweig hat seit dem 12.08.2025 keinen Commit mehr.
  • Der develop-Zweig wurde zuletzt am 03.05.2026 angefasst.
  • Die Buckets Main und Extras — die Paketquellen — werden weiter mehrmals täglich aktualisiert, zuletzt am Morgen des 19.08.2026.

Das ist deshalb wichtig, weil scoop update das Werkzeug selbst per Git aus dem Zweig holt, der in SCOOP_BRANCH steht; voreingestellt ist master. Wer nichts umstellt, bekommt täglich neue Paketstände, aber seit über einem Jahr keine Änderung am Werkzeug. Auf einem Entwicklerrechner ist das in Ordnung, für hundert Arbeitsplätze eine Information, die man vor der Standardisierung haben will.

Zehn Posten aus einem gewöhnlichen Bestand

BestandspostenPaketmanagerSonst zuständig
7-Zip, Notepad++ auf Arbeitsplätzenalle drei
Chrome, Firefoxalle drei
Git, PuTTYalle drei
Windows-SicherheitsupdatesWindows Update, WSUS
Windows Server 2019 und 2022Windows Update, WSUS
FortiGate-, PAN-OS-FirmwareHersteller-Portal
ESXi- oder Proxmox-VE-HostHersteller-Kanal
Synology DSM, QNAP QTSGeräte-Oberfläche
PostgreSQL, nginx auf Linux-VMsapt oder dnf
Switches, Access Points, USV, DruckerHersteller-Download

Drei Zeilen von zehn, bei Scoop teils erst mit eingebundenem Bucket Extras — und diese drei aktualisieren sich zum großen Teil ohnehin selbst. Die sieben leeren Zeilen haben keinen gemeinsamen Befehl, nicht einmal einen gemeinsamen Ort.

Die leere Spalte

Für diese sieben Zeilen gibt es kein Werkzeug, das nachts durchläuft. Es gibt nur die Frage, ob du mitbekommst, dass der Hersteller etwas veröffentlicht hat. Genau diese Liste führt patchletter: Produkte im Katalog anhaken, und du bekommst eine Mail, sobald für eines davon eine neue Version erscheint — auch für Firewalls, Hypervisoren, NAS-Systeme und Dienste, die kein Paketmanager anfasst. Die drei Werkzeuge aus diesem Artikel stehen selbst mit drin: winget, Chocolatey und Scoop. Die 372 Tage weiter oben stammen aus genau diesem Weg.

Die ehrliche Einschränkung

Die 372 Tage sind ein Release-Zähler, kein Qualitätsurteil: Zwischen Scoop 0.3.1 (November 2022) und 0.4.0 (April 2024) lagen schon einmal rund siebzehn Monate, und danach lief das Projekt weiter. Ein Werkzeug mit dieser Taktung ist nicht tot, es ist schlecht planbar — ein anderer Vorwurf. Die Tabelle bewertet ebenso Kategorien, nicht einzelne Pakete, und dass ein Paket in einem Repository liegt, sagt nichts darüber, wie schnell sein Betreuer der Herstellerversion folgt. Auch die Ausgangsfrage bleibt falsch gestellt: In den meisten Häusern laufen am Ende zwei der drei nebeneinander — winget, weil es da ist, und Chocolatey, weil jemand ein Skript geschrieben hat.

Versionsstände aus dem eigenen Bestand, Stand: 19.08.2026 — winget 1.29.280 (24.06.2026), Chocolatey 2.7.3 (10.06.2026), Scoop 0.5.3 (12.08.2025). Befehle und Einschränkungen aus der Microsoft- und der Chocolatey-Dokumentation; Release-, Zweig- und Bucket-Daten von Scoop aus der GitHub-API. Alle externen Quellen abgerufen am 19.08.2026.