Nextcloud, ownCloud Infinite Scale, OpenCloud: nicht welches kann mehr, sondern welches wird länger gepflegt

Von den dreien nennt genau einer ein öffentliches Support-Enddatum je Version. Nextcloud tut es: zwölf Versionslinien in unserem Bestand, jede mit Datum, drei davon noch in Wartung. Für ownCloud Infinite Scale halten wir keinen einzigen Support-Zyklus, weil der Hersteller keinen veröffentlicht; OpenCloud steht noch gar nicht in unserem Katalog, und auf seiner Lifecycle-Seite steht ebenfalls kein Enddatum je Version. Das ist der Vergleich, den die Funktionstabellen nie führen, und er entscheidet über die Betriebskosten der nächsten Jahre.

Nextcloud: der Takt ist öffentlich, und er ist eng

Neue Hauptversionen erscheinen etwa alle sechzehn Wochen, jede wird ein Jahr lang mit Wartungsreleases versorgt; damit stehen mehrere Hauptversionen gleichzeitig in Wartung — in unseren Daten heute drei. Das Handbuch ist beim Ende deutlich: Am ersten Jahrestag hören die Wartungsreleases auf, danach bekommt die Version „keine weiteren Fehlerkorrekturen und keine Korrekturen für Sicherheitslücken“ mehr (docs.nextcloud.com, Release-Zeitplan). In unseren Daten sahen die drei noch abgedeckten Linien am 19.08.2026 so aus:

LinieerschienenWartung endetRest
3409.06.202630.06.2027315 Tage
3318.02.202628.02.2027193 Tage
3227.09.202530.09.202642 Tage

Die neun Linien darunter sind über ihr Enddatum hinaus, die älteste seit mehr als drei Jahren. Die Rechnung daraus ist einfach und unerbittlich: Einmal im Jahr musst du hoch, jedes Jahr. Und Aufschieben kostet nicht linear, weil Hauptversionen nicht übersprungen werden dürfen — das Handbuch sagt es wörtlich (docs.nextcloud.com, Upgrade) — ein Jahr Verzug macht aus einem Wartungsfenster zwei oder drei. Die Version zieht außerdem den Unterbau mit: Die aktuell dokumentierten Systemvoraussetzungen nennen PHP 8.3, 8.4 und 8.5 (docs.nextcloud.com, Systemvoraussetzungen). Verlängerte Wartung verkauft die Nextcloud GmbH obendrauf: Die Enterprise-Seite wirbt mit „bis zu 5-10 Jahren“ Langzeitunterstützung für stabile Releases (nextcloud.com, Enterprise), ohne dazu ein Enddatum je Version zu nennen. Der öffentlich dokumentierte Zeitplan ist der oben.

ownCloud Infinite Scale: Releasetypen ja, Enddaten nein

ownCloud dokumentiert sein Releasemodell sorgfältig. Infinite Scale erscheint als Production (etwa halbjährlich, kommerziell unterstützt, mit SLA), Rolling (alle drei Wochen, ohne SLA) und Daily. Nur Production bekommt überlappende Unterstützung — und genau dort endet die Spur. Die Lifecycle-Seite sagt, der Überlappungszeitraum werde „separat angekündigt und an den Kundenbedarf angepasst“ (owncloud.dev, Release Life Cycle). Ein veröffentlichtes Support-Enddatum je Version haben wir nirgends gefunden. Betreibst du die Community-Variante, ist „wie lange habe ich noch“ damit kein Datum, gegen das du planen kannst, sondern ein Gespräch, zu dem du nicht eingeladen bist. Als wir dieselbe Seite am 19.08.2026 abgerufen haben, war der jüngste datierte Eintrag ihrer Release-Tabelle Infinite Scale 7.0.1 vom Februar 2025 — während die Releases-Seite auf GitHub bereits bei 8.2.0 stand.

Dahinter steht die Eigentümerfrage. ownCloud gehört zu Kiteworks, einem US-Anbieter. Im Januar 2025 verließen mehr als ein Dutzend Beschäftigte des Infinite-Scale-Teams das Unternehmen und gingen zur neu gegründeten Berliner OpenCloud GmbH, einer Tochter der Heinlein-Gruppe; Kiteworks drohte wegen des Forks mit rechtlichen Schritten (heise online, 23.01.2025). Kiteworks hat mit Struktur geantwortet statt mit Schweigen: Im Mai 2026 startete ein Open Source Program Office unter der Marke ownCloud, das CLA wich einem DCO, eine Governance-Charta wurde veröffentlicht, und ownCloud Classic — die PHP-Linie — bleibt laut eigener Aussage aktiv gepflegt und wird auf PHP 8.3 gehoben (kiteworks.com, 06.05.2026). Geliefert wird weiter: Die jüngste von uns erfasste Infinite-Scale-Version ist 8.2.0 vom 10.08.2026.

OpenCloud: jung, deutsch — und die Langfrist-Zusage kostet

OpenCloud ist ein Fork von Infinite Scale durch die Leute, die es gebaut haben; Version 1.0.0 erschien im Februar 2025. Die Lifecycle-Seite ist von allen dreien die deutlichste darin, was ein Kanal bedeutet: Rolling alle drei Wochen mit Community-Unterstützung, Production etwa halbjährlich mit professionellem Support und LTS mit Backports über zwei Jahre — verfügbar „ausschließlich für Kunden mit einem Service- und Support-Anspruch aus einem Professional- oder Premium-Abonnement“ (docs.opencloud.eu, Release Lifecycle).

Zwei Jahre Backports sind die längste Laufzeit, die eine der drei Lifecycle-Seiten mit einer Zahl belegt. Sie hängt zugleich am Abonnement, und die Seite listet Erscheinungsdaten, aber keine Support-Enddaten. In den freien Kanälen landest du damit genau dort, wo ownCloud dich auch stehen lässt: bei einem Upgrade-Rhythmus, den du aus der Release-Historie ablesen kannst, und ohne Datum, das du in einen Plan schreiben kannst. Für ein achtzehn Monate altes Projekt ist das normal und kein Alarmzeichen — aber es ist nicht dasselbe wie ein veröffentlichter Zeitplan.

Die vier Fragen, in der Reihenfolge, in der sie zählen

  • Wie viele Zweige leben gleichzeitig? Drei heißt, du darfst eine Version hinterherhinken, ohne aus dem Support zu fallen. Einer heißt, jedes Release ist ein Termin.
  • Wie lange lebt ein Zweig? Ein Jahr Wartung bei einer neuen Hauptversion alle sechzehn Wochen ist ein anderer Betriebsplan als ein halbjährlicher Takt mit unbenannter Überlappung.
  • Wo steht das Datum? Eine gepflegte Seite mit Daten darauf ist etwas, das du in einem Änderungsantrag zitieren kannst. „An den Kundenbedarf angepasst“ ist es nicht.
  • Was kostet die lange Zusage? Existiert die Mehrjahres-Zusage nur im Abonnement, lautet der ehrliche Vergleich nicht kostenlos gegen kostenlos, sondern deine Upgrade-Arbeitszeit gegen deren Lizenzgebühr.

Mitbekommen, ohne drei Seiten abzuklappern

Bei Nextcloud gibt der veröffentlichte Zeitplan das Fenster vor, bei Infinite Scale und OpenCloud sind die Releases das einzige Signal. Beides braucht kein Urteilsvermögen, nur eine Liste. Für zwei der drei führt patchletter sie: Hak Nextcloud oder ownCloud Infinite Scale an, und du bekommst eine Mail, sobald eine neue Version erscheint — kostenlos, ohne Konto, Abmeldung mit einem Klick. Die dokumentierten Nextcloud-Support-Zyklen samt der demnächst auslaufenden stehen in der End-of-Life-Übersicht.

Die ehrliche Einschränkung

Drei Dinge kann dieser Artikel nicht für dich leisten. OpenCloud ist noch nicht in unserem Katalog; seine Releases können wir heute also nicht für dich beobachten, die Recherche oben ist vorerst alles, was wir dazu haben. patchletter benachrichtigt über neue Releases, nicht über Support-Enden; die Zyklus-Angaben sind Nachschlagematerial auf der Produktseite, kein Wecker. Und das Ungleichgewicht in diesem Artikel ist echt: zwölf Support-Zyklen für Nextcloud, keiner für Infinite Scale. Das liegt nicht daran, dass wir bei einem Hersteller genauer hinsehen. Es ist das Ergebnis davon, dass einer die Daten aufschreibt und die anderen nicht.

Zyklustabelle und erfasste Versionen aus dem eigenen Bestand, Stand: 19.08.2026 — 12 erfasste Nextcloud-Versionslinien, davon 3 in Wartung; Nextcloud 34.0.3 vom 13.08.2026, ownCloud Infinite Scale 8.2.0 vom 10.08.2026, für letzteres keine erfassten Support-Zyklen. Herstellerangaben aus docs.nextcloud.com (Release-Zeitplan, Upgrade, Systemvoraussetzungen), nextcloud.com (Enterprise), owncloud.dev (Release Life Cycle), docs.opencloud.eu (Release Lifecycle), github.com/owncloud/ocis, heise.de und kiteworks.com — alle abgerufen am 19.08.2026. Die Zahlen tragen dieses Datum bewusst und werden nicht nachgezogen.